My Healing Journey oder: Was heilen heißt.

Wie ich mir den Zugang zu meiner Körperweisheit zurückeroberte und so CIN 3, chronische Pilzinfektionen, und Bartholinitis hinter mir ließ. 

Disclaimer: Heilungswege sind individuell. Alles hier genannte, kann sich für eine andere Frau anders auswirken, und vielleicht hast du mit manchen Dingen, die ich hier benenne positive Erfahrungen gemacht. Dies ist meine persönliche Erfahrung. Ich erhebe keinen Anspruch auf medizinische Gültigkeit. 

Im Dezember 2016 ließ ich mir die Hormonspirale Mirena einsetzen. Mein damaliger Frauenarzt stand kurz vor der Pension. Er sagte er würde „so jungen Frauen“ keine Spiralen mehr setzen. Ich verstand ihn nicht ganz. Ich ließ die Spirale also in einem darauf spezialisierten Institut in Wien einsetzen.

Im Oktober 2018 hatte ich eine Konisation, einen Eingriff, bei dem mit einer Elektroschlinge ein kleiner Teil des Gebärmutterhalses weggebrannt wird. Er erhöht das spätere Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt „signifikant“1. Die Konisation wurde durchgeführt, um auffällig verändertes Gewebe zu entfernen, das sich durch den sogenannten HP-Virus in mir entwickelt hatte. 80 % aller Menschen kommen im Laufe ihres Lebens mit HP-Viren in Kontakt2. Für die wenigsten hat das tatsächliche gesundheitliche Folgen. Zum Zeitpunkt der OP hatte ich schon eine Reihe an ärztlichen Beratungen und regelmäßige unangenehme Biopsien (die Entnahme von Gewebe, ein Herausknipsen eines Stückes des Gebärmutterhalses, um dieses zu untersuchen) hinter mir. Die erste Diagnose eines auffälligen PAP-Abstrichs war mir bereits 2 Jahre vor der Operation gestellt worden. Vorstufe zu Gebärmutterhalskrebs. In mir entstand das Bild, dass meine Gebärmutter wie eine verdorrte Pflanze in mir war. Ich wurde es lange nicht mehr los. „Es ist kein Krebs. Es ist eine Vorstufe von Krebs“, beruhigte ich Freunde, Familie und Verwandte regelmäßig. Von da an hieß es Abwarten und zu regelmäßigen Untersuchungen gehen, denn es könnte auch sein, dass sich das Gewebe von selbst zurückbildet. Ich war im Pilzambulatorium, in zwei Landeskrankenhäuser, bei mehreren Frauenärztinnen. Verschiedene Ärzt*innen hatten verschiedene Meinungen und sagten mir verschiedene Dinge. Es war unklar, ob mir die Impfung mit dem Gardasil 9-fach Wirkstoff jetzt noch helfen würde und inwiefern die Verhütung mit einem Kondom wichtig war, um mich und meinen Freund vor einer Art Neuansteckungs-Kreislauf zu schützen. Da der HP-Virus per „Haut-Haut-Kontakt im Genitalbereich“2 übertragen wird, kann ein Kondom das Risiko einer Übertragung eindämmen, aber nicht gänzlich verhindern. Ein HPV-Test für Männer ist übrigens „aus medizinischer Sicht derzeit nicht sinnvoll“.2 Die Aussagen waren oft vage, ich spürte, wie ich mich in nebeligem Terrain bewegte. Es wurde mir Mal mit verärgertem Desinteresse, Mal mit unschuldiger Ahnungslosigkeit begegnet. Ich fand heraus, dass es auf diesem Gebiet einfach noch zu wenig Forschung gab. Dass die Frau und ihr Körper auch im medizinischen Bereich von struktureller Benachteiligung betroffen ist. Dass das Geld woanders hinfließt.
Das Supplementieren von Vitamin-D wurde mir verschrieben, um mein Stresslevel zu senken.

Es kam also zur OP. Mir wurde gesagt, dass es schwierig sein könnte die Konisation mit der Mirena-Spirale durchzuführen, dass die Ärztin aber aufpassen wollte, sie nicht zu beschädigen. Meine Mutter riet mir, sie herausnehmen zu lassen, ich könne ohne einen Fremdkörper in mir sicher besser heilen. Ich behielt die Mirena drin. Immerhin hatte sie 420 Euro gekostet und würde noch 3 Jahre lang wirken. Nachträglich bin ich erstaunt über meine damalige Haltung.

Nach der OP durfte ich direkt am selben Tag wieder nach Hause. Ich bekam eine Art Windel und noch zwei große, extra-dicke Einlagen. Von diesem Tag an hieß es: Einen Monat keinen Sport und kein Kontakt der Stelle mit Wasser. Außerdem ca. drei Monate keinen Sex. Ich lag auf der Couch wie ein angeschossenes Tier. Schlief viel und hatte keinen Appetit. Bis mein Freund mir eine Pfanne mit Iglo Creme-Gemüse machte. Der Geruch erweckte mich wieder zum Leben. In den Einlagen sammelte sich bräunlicher Schleim, wie abgestoßenes altes Gewebe oder das Abgehen einer Kruste.

In der Abheilungsphase konnte ich viele Aspekte meines sehr körperorientierten Schauspielstudiums nicht ausüben, was mir nicht leicht fiel. Es gab von Krankenhaus, Kasse oder Frauenärztin keinerlei Nachsorge in Form von z.B. Beckenboden-Physiotherapie und auch keine Aufklärung darüber, wie das Narbengewebe die Balance in meinem Unterleib beeinflussen kann. Solche Dinge fand ich erst zwei Jahre später heraus: Bei meiner Ausbildung zum Holistic Pelvic Care Practitioner TM. Beispielsweise können durch die für den Körper traumatisch einzuordnende Verbrennung am Gebärmutterhals die Faszien im Beckenbereich verkleben und gewisse Funktionen können infolgedessen gestört werden. Dem kann u.a. mit Massagetechniken nachgekommen werden.

Stattdessen hatte ich nach der OP weitere Probleme, die von den Ärztinnen nicht mit derselben in Verbindung gebracht wurden. Bei der üblichen Nachkontrolle wurde festgestellt, dass nicht alles von dem veränderten Gewebe entfernt worden war, ich also weiterhin Zellen mit dem Wachstumsstadium CIN 3, der Vorstufe zu Gebärmutterhalskrebs in mir trug. Ich ließ mich, in der Hoffnung es würde helfen, nach der OP mit dem Gardasil 9-fach Impfstoff impfen. Bei der letzten Dosis der 3-teiligen Impfung (0-2-6 Monate) kam ich draußen ins Schwanken, ein kurzer aber starker Schwindel und ein lautes Pfeiffen in den Ohren traten ein, verschwanden aber schnell wieder. Außerdem fing ich an DeflaGyn zu verwenden, ein Gel von der Firma Gynial, dass bei der Rückbildung der Zellen zum Normalzustand helfen soll. Man führt sich das Gel abends mit einer Plastikspritze ein. Ich solle es mir wie ein Fruchtsäurepeeling vorstellen, sagte meine Frauenärztin.

Inzwischen war ich Dauergast bei ihr. Ich bekam schließlich auch noch Bartholonitis (= Verstopfung oder Entzündung der bartholonitischen Drüse, welche für die Befeuchtung der Vulva zuständig ist). Und als ich deswegen wieder zu meiner Frauenärztin kam, sagte sie beim Verabschieden sowas wie: „Und kommen sie bitte nächstes Mal nicht wieder mit was Neuem.“ Ich war beschämt und erstaunt, ich hatte ihr eigentlich vertraut. Ich meinte, ich könne doch nichts dafür. Sie schwieg. Die Stimmung war angespannt. Erleichternderweise konnte ich meine Irritation beim nächsten Termin ansprechen und meine Ärztin bestätigte mir, dass ich immer Willkommen sei. Was trotzdem blieb, war der leichte Nachgeschmack eines „Shamings“:

Der bartholonitische Drüsengang sollte mit einem Schnitt wieder geöffnet werden. Ein weiterer operativer Eingriff, allerdings nur äußerlich. Wir vereinbarten dafür einen OP-Termin.

Ich ging zu meinem ersten Frauenkreis, wo ich über meine Krankheit sprach. Es war eine sehr kraftvolle und heilsame Erfahrung, den Raum mit anderen Frauen und deren Themen zu teilen. Wenig später machte ich mit Freundinnen meinen eigenen Kreis und gab die Übungen weiter.

Im Februar 2019 besuchte in den Krebstag im LKH Graz, eine Art Messe, wo ich die Möglichkeit bekam in einem 20-Minuten-Slot ein Expertinnengespräch mit einer Ärztin zu führen. Ich kam vorbereitet, hatte alle meine Fragen aufgeschrieben und ich schrieb all ihre Antworten ebenso mit. (Hierfür und für eine genaue Aufklärung zum Thema HPV & Gebärmutterhalskrebs plane ich einen eigenen Blogbeitrag.)

Ein bisschen mehr Klarheit trat ein.

Ich entschied mich dagegen, DeflaGyn weiter zu verwenden. Es fühlte sich einfach nicht gut an. Ich hatte noch eineinhalb Packungen übrig. Eine kostete 50,- Euro, für drei Monate (empfohlener Anwendungszeitraum) brauchte man 3 Packungen.

Mein Freund und ich begannen Tantra auszuprobieren. Kurz gesagt: Entspannung, Meditation und Zeit lassen beim Sex. Eine ehrvolle, liebevolle und offene Haltung gegenüber dem Partner zu haben, das war, was wir praktizierten. Verspannungen und Unsicherheiten konnten sich ein Stück weit lösen. Die angeschwollene bartholinitische Drüse wurde wieder kleiner und kleiner. Am geplanten OP-Termin sagte meine Frauenärztin: „Nein, die ist ja zurückgegangen, da operieren wir nicht. Sowas hab ich ja noch nie erlebt.“ Sie bestätigte mir, dass der durchsichtig-weiß-klebrige Ausfluss den ich bemerkt hatte das aufgestaute Sekret gewesen sein musste und sie noch nie erlebt hatte, wie sich so etwas von selbst zurückbildete. Ich war froh um ihre Ehrlichkeit und dass sie nicht einfach operiert hatte. Es wurde auch später nicht mehr notwendig.

Was mich immer noch plagte waren wiederkehrende bakterielle Infektionen oder Pilzinfektionen. Diverse Frauenärzt*innen versicherten mir, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Infektionen und der Hormonspirale in mir geben würde. Als ich wieder eine Infektion hatte, meditierte ich und fragte meinen Körper, was er brauchte. Die Antwort war klar: Die Spirale sollte raus. Das war im Sommer 2019, mittlerweile hatte ich sehr viel mehr Selbstbewusstsein im Kontakt zu mir und Vertrauen zu meiner Intuition und meiner Körperweisheit aufgebaut. Trotz der Antwort von meinem Körper recherchierte ich noch nach und fand eine Dissertation, die einen Zusammenhang zwischen Pilzinfektionen und der Spirale belegte:

Die Hormonspirale Mirena ist eines der weltweit verbreiteten intrauterinen Kontrazeptiva. Allein in Europa nutzten im Jahr 2006 4,4 Millionen Frauen dieses Verhütungsmittel […] Diese Arbeit hatte zum Ziel, der Frage nachzugehen, inwieweit sich der klinische Eindruck bestätigen lässt, dass das Tragen einer Hormonspirale mit einer erhöhten Anfälligkeit für rezidivierende Vulvovaginalkandidosen einhergehen kann. […] In der Gruppe der symptomlosen Frauen war eine Besiedlung mit Canidida albicans auf den Hormonspiralen nachweisbar. Dieser Nachweis gelang sogar häufiger als der Nachweis einer Besiedlung der Vaginalabstriche. In Zusammenschau mit anderen Arbeiten, die sich mit diesem Thema beschäftigten, scheint die Aussage gerechtfertigt, dass Hormonspiralen als Reservoir für Hefepilze dienen können, indem sich diese an das künstliche Material, vermutlich über die Produktion eines Biofilms, anheften. Die Beobachtungen und Untersuchungen der Patientinnen mit chronisch rezidivierender Vaginalmykose bestätigen die Vermutung, dass die Hormonspirale einen Risikofaktor für diese Erkrankung darstellt, da mit Entfernung der Spiralen und anschließender antimykotischer Behandlung diese Patientinnen geheilt werden konnten.“ 3

Außerdem fand ich plötzlich auf der Website des Grazer Frauengesundheitszentrums eine Sammlung an Erfahrungsberichten mit „Mirena“ in denen eine Frau nach der anderen von ihren unterschiedlichen Beschwerden schrieb.4

Ich fühlte mich ein bisschen verarscht.

Empört.

Und befreit gleichzeitig.

Anfang September 2019 ließ ich mir die Hormonspirale ziehen. Seitdem hatte ich keinerlei Infektionen oder Beschwerden mehr. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Im Sommer hatte ich außerdem meinen ersten unauffälligen PAP-Abstrich seit drei Jahren. Kein CIN 3 mehr, die Krebsvorstufe hatte sich auf ein unbedenkliches Niveau zurückgebildet.

Ich begann den Podcast Generation Pille zu hören, den ich an dieser Stelle sehr empfehlen will (auf Spotify zu finden). Dort wird viel über die Auswirkungen von hormonellen Verhütungsmittel auf den weiblichen Körper gesprochen. Eine Folge half mir besonders, in der es darum ging, wie man den Körper in der Umstellungsphase nach dem Absetzen eines hormonellen Verhütungsmittels unterstützen kann. Außerdem brachten mich der Podcast, sowie das Buch „Verhüten ohne Hormone“ von Dorothee Struck auf die symptothermale Methode, auf die ich dann umstieg.

Was heilen heißt? Für mich heißt es Antworten finden, mir treu sein oder es werden. Durch das Teilen meiner Erfahrungen und der daraus erwachsenen Überzeugung wie wichtig es für uns Frauen ist, auf uns zu hören, in uns hineinzuhören – was vorerst platt klingen mag, doch in Wahrheit eine kostbare, verlernte Praxis ist – hoffe ich ein Stück weit dazu beizutragen, das Bewusstsein für Frauengesundheit zu verbreitern. Ich danke allen, die mich in dieser Zeit unterstützt haben und wünsche besonders jenen, die vielleicht weitaus schwerere Krankheitsverläufe hatten oder haben von Herzen alles Gute. You are not alone.

Fußnoten, Quellen und hilfreiche weiterführende Literatur

[1]:Thieme E-Journals – Geburtshilfe und Frauenheilkunde / Abstract (thieme-connect.com) und

Konisation erhöht Risiko für Fehlgeburten (aerztezeitung.de)

[2]: Laut der Infobroschüre „HPV kommt still und unbemerkt“, von Roche, Initiative trustyourgyn

Eine Initiative zur Gesundheitsvorsorge – #trustyourgyn

[3]: Dissertation zu Pilzinfektion & Spirale von Wanda von Zglinicki: Inhaltsverzeichnis (fu-berlin.de)

[4]: Frauengesundheitszentrum: Erfahrungsbericht zum Verhütungsmittel Hormonspirale „Mirena“

Weiterführend:

Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs: Untersuchungen und Behandlung (krebsinformationsdienst.de)